Arbeitswelten

Arbeitswelten

In einem Dialog zwischen Kolleg_Innen hat sich letztens ein Mann dazu gesellt, um sich am Dialog zu beteiligen. Wir sprachen um die Bildung und der Förderung von jungen Erwachsenen in Deutschland, sowie der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Kurz gesagt, wir sprachen über politische Themen. Mit dem beitritt diesen eines Mannes in unser Gespräch, wurde dieses sehr schnell feministisch. Nicht weil dieser eine Mann dies wollte, sondern durch seine Intention Frauen schlecht zu reden.

Er kenne ja einen Arbeitgeber, welcher mehrere “Mädels” eine handwerkliche Ausbildung ermöglichen wollte, aber die sind immer nach der Probezeit schwanger geworden, deswegen stelle er keine Mädels mehr ein. Da er sonst während der Ausfallzeit neue Arbeitskraft suchen müsse. Er könne es sehr gut nachvollziehen, weshalb man keine Frauen einstellen solle.

Eine kurze Aussage, die mich in der Art der Formulierung bereits wütend gemacht hat, bevor ich auf den Inhalt einging. Dass er Frauen als Mädels bezeichne, weil die noch oder kurz nach Ihrer Pubertät sind? Ab wann ist eine Frau kein Mädel mehr? Wenn diese verheiratet ist und somit als Frau von wem bezeichnet wird? Nach der ersten Blutung kann wohl nicht gemeint sein, da Frauen lange danach immer noch als Mädel bezeichnet werden. Mädel hat zwei Bedeutungen. Zum ersten handelt es sich um die Bezeichnung eines Kindes dessen Geschlecht, als weiblich zugeschrieben ist. Zum zweiten handelt es sich um eine Verkleinerungsform von Magd und somit die Umschreibung einer Person, welch in der Hierarchie tiefer gestellt ist. Somit wird jene erwachsene Person, welche als Mädel bezeichnet wird, abgewertet beziehungsweise niederer gestellt. Selbst wenn es nicht das vorhaben des Mannes war die negative Bedeutung zu übermitteln, ist dies in seiner Art der Sprache verankert und transportiert die Abwertung weiter.

Jedes mal wenn ich den Gebrauch von diesem Wort im Zusammenhang mit erwachsenen Personen höre, welche sich einen Titel, ein Diplom oder eine gesellschaftliche Stellung erarbeitet hat, steigt mein Bedarf laut zu schreien. So werden Frauen der Wissenschaft weiterhin nicht ernst genommen, in Gesprächen als “dieses Mädel …” betitelt, als sei Ihre Arbeit nichts Wert. Ähnlich verhält es sich bei Luisa Neubauer, welche durch de fundierte Kritik Armin Laschet gegenüber, im nachgang als Göre bezeichnet wurde. Dies ist aber ein ganz anderes Fass.

Gehen wir auf den nächsten Punkt, der Reproduktion ein. Inhaltlich wird kritisiert, dass eine Frau Schwanger wird. Was nicht übermittelt wird, ist das zur Schwangerschaft eine weitere Person dazu zählt. Hier wird der Frau eine alleinige Schuld an der Schwangerschaft gegeben und als ob die Schwangerschaft ein Verbrechen wäre, wofür man schuldig gesprochen wird. Bei solch Aussagen wird immer wieder darauf verwiesen, dass Frauen sich alleinig um die Verhüttung kümmern sollen. Hier wird inhaltlich übertragen, dass die Reproduktion der Menschen allein ein Thema der Gebärmutter sei, aber nur solange sich kein Fundamentalist dazu äußert. Denn das Thema Abtreibung wird den betroffenen Personen entzogen, da es keinen Platz für Selbstbestimmung gibt. Auch besteht kein Platz für die sexuelle Selbstbestimmung, in welcher man entscheiden kann mit wem und wie vielen man verkehren mag, sofern man nicht ein heterosexueller Cis-Mann ist, da homosexuellen immer noch eine Perversion nachgesprochen wird. Somit übermittelte die Nachricht des Kollegen, dass die Schwangerschaft eine alleinige Schuld der Frau gegenüber des Arbeitgebers war. Sie habe absichtlich die Schwangerschaft in die Wege geleitet oder sei schuld, dass die Verhütung nicht wirkte. Sie alleine muss sich hierzu rechtfertigen.

Es steht noch die Aussage in dem Raum, dass alle seine Azubinen schwanger wurden. Hierbei stellt sich mir die Frage, wieso? Also wenn es in diesem einen handwerklichen Betrieb zu soviel Schwangerschaften kommt, muss es einen Grund geben, welcher entweder innerhalb des Betriebes liegt oder bei der Entscheidung aus welchem Umfeld eingestellt wird. Abgesehen das die Geschichte mehr als überspitzt klingt. Besonders im Zusammenhang, dass alle Frauen, welche eine Ausbildung in dem Betrieb beginnen, eine Schwangerschaft immer kurz nach ende der Probezeit kundgeben. Das klingt etwas sehr fantastisch und nach einer Verschwörungserzählung.

Was der Wahrheit entspricht, dass es vorkommt das Menschen deren Schwangerschaft oder Kinderwunsch verheimlichen. Zu einem geht dies nur wem etwas an, welch die Person selber entscheidet, zum anderen haben Menschen im gebärfähigen Alter keine Chancen-Gleichheit auf einen Beruf. Es gibt nur wenige Arbeitgeber, welche bei einer Schwangerschaft dennoch einstellen, damit dieser Mensch nach dem Elternurlaub wieder in das Berufsleben einsteigen kann. Besonders Frauen fallen in solchen Strukturen in eine längerfristige Erwerbslosigkeit oder können Ihren eigentlichen Beruf nicht ausüben und arbeiten in schlechter bezahlten Jobs.

In der Aussage, welche mich so wütend gemacht hat, war jedoch auch die Rede von einer Ausbildung und das dem Arbeitgeber die Arbeitskraft nicht zur Verfügung steht. Hier zeigt sich auch der wahre Gedanke, weshalb eine schwangere Person bei diesem handwerklichen Unternehmen ein Problem darstellt. Menschen in der Ausbildung sollen lernen. Diese sind kein günstiger Ersatz für eine vollwertige Arbeitskraft. Wenn eine Aushilfe benötigt wird, welche die Kernarbeit unterstützt, soll solch eine einstellen und entsprechend vernünftig vergüten. Diese Menschen machen die Ausbildung, um zu lernen und nachzuweisen, dass diese in jener Tätigkeit qualifiziert sind, nicht um dem Arbeitsmarkt als günstige Alternative zur Seite zu stehen. Dies ist ein Nachteil der uns alle Betrifft. Auszubildende gebührt besonderer Schutz, da diese Fehler machen und etwas nicht Wissen dürfen.

Wir haben im Kern der getätigten Aussage ein großes patriarchales Problem auf mehreren Ebenen, welche nicht nur Frauen betrifft. Männer werden im Sinne eines Humankapitals als Arbeitskraft angesehen und nur als solches. Die Sozialisierung derer führt dazu, dass die Männerschaft dieses Weltbild reproduzieren und sich selber mit Stolz solch ein Knebel anlegen. Wenn du sonst nichts mehr hast, hast du deine Arbeit. Dass Menschen mehr sind als reine Arbeitskraft sollte selbstverständlich sein. Jedoch bleibt es beim aktuellen Weltbild, Männer sorgen fürs Einkommen und Frauen für den Haushalt.

Was der Mann im Ursprung somit formulierte, ohne Fakten und rein auf hören-sagen hin, war es Frauen zu diskreditieren. Beginnend mit der Bezeichnung “Mädel” für Frauen und der damit verbundenen Deutung, man sei weniger Wert, die Dämonisierung der Schwangerschaft und Hingabe der Aufopferung für den Arbeitgeber. Was hier als Argument eingebracht wurde, dient nur der misogynen Grundhaltung und nicht einem Diskurs.

Ich glaube, es versteht sich von selber, dass ihm widersprochen wurde und er sich aus dem Dialog entferne, als klar war, dass seine beabsichtigte Destruktion im Gespräch aufflog.

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